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Texte zu Ökologie und Literatur

Brockes-Texte zu Mikrokosmos und Makrokosmos in der Natur 

Der Kürbis

(Irdisches Vergnügen in Gott, 2. Teil)

(…)

Bewund’re doch, mein Herz, die Ordnung der Natur,
In diesem Kürbs-Gewächs, aufs neu!
Erwäge, daß nicht nur
Die Zierlichkeit, nein, mehr hier zu bewundern sey!
Damit dieß Ranken-Werck von wegen seiner Schwäche
So bald nicht breche,
Wächst eine kleine Hand mit dreyen Fingern dran,
Wodurch sie hie und da sich halten kann.
Ach, laßt uns doch, wenn wir dergleichen sehn,
Den, der dieß alles macht, den weisen Gott, erhöhn.

An dieses Stieles Fuß
Erblicket man, wiewohl so wunderbarlich klein,
Daß jeder sich darob verwundern muß,
Blatt, Blume, Frucht und Stiel, die kaum zu sehen seyn,
Und dennoch finden wir, daß die, so an den Spitzen
Der langen Ranken sitzen,
Noch sehr viel kleiner sind, da nemlich man daran
Ein grün verwirrtes Etwas findet,
Das unser Auge nicht, der Geist nur, sehen kann.

 

Die Wein-Rebe

(Irdisches Vergnügen in Gott, Teil 1)

 

(…)

Es scheint, als ob ein jedes Blatt

Die Bildung eines Baumes hat.

Der Stengel ist der Stamm; aus diesem Stamm‘ entspriessen

Fünf Haupt-Zweig‘, und aus diesen Zweigen

Aus deren jedem sich fünf Neben-Aeste zeigen,

Entsteht ein Blätter-Heer, die darin bloß allein

Von denen unterscheiden seyn,

Womit sonst andre Bäume prangen,

Daß andre Blätter frey, da die zusammen hangen.

 

(…)

Auf mancher Beere nun, worauf kein Duft zu sehn,

Gläntzt auf der glatten Ründ‘ ein weisser Schein,

Worin, wiewol unglaublich klein,

Die Bilder jedes Dings im Wiederschein entstehn.

Ja beym Gesicht-Kreis selbst stellt oft in schönster Zier

Durch Felder, Wälder, Thal und Hügel

Des kleinen Scheines kleiner Spiegel,

Der selber kaum zu sehn, die schönste Landschaft für.

 

ARIA

 

Welch ein Wunder, dass die Augen

Dieses zu betrachten taugen,

Solche Gröss‘ im Kleinen sehn!

Mensch, hier musst du weiter gehn,

Mit dem Schöpfer dich vereinen,

Und Den, im unendlich Kleinen,

Der unendlich-groß, erhöhn.

 

 

Die Seiffen-Blase

(Irdisches Vergnügen in Gott, Teil 5)

 

(…) In dem Glantz, der nimmer ruht,

Sah ich mit erstarrten Blicken, als im Diamantnen Spiegel,

Himmel, Erde, Häuser, Fenster, Wälder, Felder, Thal und Hügel

Sich in schnellen Farben bilden, als ein neues Wunder, an,

Welches alles übertraf, was man seh’n und dencken kann.

 

(…) Ferner ward ich noch gewahr

Wie von allen Elementen gleichfals die gevierte Schaar

In dem kleinen Raum sich zeigte. In dem Grünen, in dem Blauen,

In dem Weissen, in dem Rothen, war die Erde, war die Fluth,

War die Luft und war die Glut,

In besonderm Glantz, zu schauen.

 

Louis Leclerc de Buffon: Naturgeschichte der vierfüßigen Thiere

Bd. 7, Brünn 1786, S. 17-21

 

Die Natur ist der äußere Thron der göttlichen Herrlichkeit; der Mensch der sie betrachtet, der sie studiret, erhebt sich stuffenweise zu dem innern Thron der Allmacht. Gemacht den Schöpfer anzubeten, befiehlt er allen Geschöpfen. Ein Vasall des Himmels, ein König der Erde, veredelt er diese, bevölkert und bereichert er sie. Er führt unter den lebendigen Geschöpfen Ordnung, Unterwürfigkeit und Harmonie ein, er verschönert die Natur selbst, bauet sie an, erweitert und verfeinert sie, er hebt die Disteln und Dornen aus, und vermehrt Trauben und Rosen.

Man sehe jene wüsten Gegenden, die traurigen Länder die der Mensch niemals beherrscht hat; alle Höhen sind bedeckt oder starren vielmehr von dichten schwarzen Wäldern, von Bäumen ohne Rinde und ohne Gipfel, welche gekrümmet und zerrissen für Alter zum Falle stehen; noch andre liegen viel zahlreicher am Fuße der erstern, um über schon verfaulte Haufen zu vermodern, ersticken und begraben die Keime die schon bereit waren hervorzubrechen. Die Natur, die sonst überall jugendlich glänzt, erscheint hier abgelebt, die Erde überladen durch die Last, mit Trümmern ihrer eigenen Prokdukte überschüttet, zeigt statt einer blumenreichen, grünen Flur, nur einen Boden voll Schutt und Moder, überworfen mit alten Bäumen, die mit Schmarutzerpflanzen, mit Schorfmoosen, Schwämmen, diesen unreifen Früchten der Fäulung, bedeckt sind. In allen niedrigen Gegenden todte Wässer ohne Abfluß, ohne Leitung und Lauf; sumpfigte Strecken, die nicht fest, nicht fließend, unzugänglich sind, und so wohl für die Bewohner der Erde als des Wassers unnütz bleiben; Moräste, die mit stinkenden Wasserpflanzen bedeckt sind, und nur giftige Insekten ernähren und unreinen Thieren zum Aufenthalt dienen. Zwischen diesen verpesteten Morästen, welche die niedrigen Gegenden einnehmen, und den abgelebten Wäldern, welche die Höhen einnehmen, laufen Landstriche, Savannen, die nichts mit unsern Wiesen gemein haben; schlechte Kräuter häufen sich daselbst an, und ersticken die guten. Da ist nichts von dem feinen Rasen, der den Sammt der Erde vorstellt, nichts von dem kurzen beblümten Grase, welches ihre glänzende Fruchtbarkeit ankündigt; alles besteht in wilden Pflanzen, harten stachlichten Gewächsen, welche in einander geflochten, sich nicht selbst auf der Erde, sondern vielmehr eins an dem andern zu halten scheinen, und die, indem sie vertrocknen und sich allgemach schichtweise anhäufen, endlich eine Art von grobem, viele Fuß dicken, Filz bilden. Keine Bahn, kein Durchgang, keine Spur von Verständniß, ist in diesen Wildnissen; der Mensch muß, wenn er sie durchwandern will, dem Gefährte wilder Thiere folgen, und ohne Unterlaß dabei bedacht seyn, nicht ihre Beute zu werden. Ihr Brüllen erschreckt ihn; die Stille selbst, die in diesen tiefen Einöden herrscht, erregt Schaudern in ihm. Er kehrt zurück und sagt: Die rohe Natur ist scheußlich und todt; ich, ich allein kann sie reizend und lebendig machen; laßt uns diese Moräste austrocknen; laßt uns diese todte Gewässer beleben und ihnen Abfluß geben; laßt Bäche und Kanäle daraus werden; laßt uns jenes schnelle gefräßige Element gebrauchen, das man uns verborgen hielt, und das wir uns selbst zu verdanken haben, laßt uns Feuer an diese unnützen Haufen und an die alten schon halb verzehrten Wälder legen; laßt uns völlig durch das Eisen zerstören, was das Feuer nicht gänzlich verzehren konnte. Alsbald werden wir statt Binsen und Seeblumen, aus welchen die Kröte ihr Gift bereitete, die Ranunkel, den Klee und süße heilsame Kräuter hervorkommen sehen. Heerden hüpfender Thiere werden ihre Fußstapfen dem vorher unwegsamen Boden eindrücken, und auf demselben überflüßige Nahrung, eine stets nachwachsende Weide finden, sie werden sich vermehren um sich noch mehr zu vermehren; laßt uns dieser neuen Gehilfen uns bedienen, um unsre Arbeit zu vollenden. Der Ochs mag unter das Joch gehen, und seine Kräfte und das Gewicht seiner Masse anwenden, um die Erde in Furchen zu schneiden, damit dieselbe sich wieder durch die Kultur verjünge. Eine neue Natur wird aus unsern Händen hervorgehn. Wie schön ist sie, diese kultivirte Natur! Wie glänzend, wie prächtig geschmückt ist sie, durch die Wartung der Menschen! Er selbst macht ihren vornehmsten Schmuck aus, das Edelste das sie hervorbringt; indem er sich vermehrt, vermehrt er auch ihren edelsten Keim, auch sie selbst scheint sich mit ihm zu vermehren; er bringt durch seine Kunst ans Licht, alles was sie in ihrem Schooße verbarg; welche unbekannte Schätze, welche neue Reichthümer! Blumen, Früchte, Getreide sind zur größern Vollkommenheit gebracht, und bis ins Unendliche vervielfältiget; neue nützliche Thierarten sind versetzt, fortgepflanzt, unzählig vermehrt; schädliche Arten sind vermindert, eingeschränkt und verbannet: das Gold und das noch nothwendigere Eisen sind aus den Eingeweiden der Erde gezogen; Ströme sind eingeschränkt, den Flüssen hat man Richtung und Dämme gegeben; das Meer selbst ist unterwürfig gemacht, durchgespähet, und von einer Halbkugel zur andern durchkreuzt. Die Erde ist überall zugänglich, überall eben so lebendig als fruchtbar gemacht; in den Thälern lachende Wiesen, in den Ebenen reiche Fluren oder noch reichere Saaten; die Hügel mit Reben und Früchten beladen, ihre Gipfel mit nützlichen Bäumen und ihre Gipfel mit nützlichen Bäumen und jungen Forsten gekrönet; Wüsten sind durch ein unzähliges Volk in Städte verwandelt, welches sich durch einen beständigen Umlauf von diesen Mittelpunkten bis zu den äußersten Grenzen verbreitet; offene volkreiche Strassen, Gemeinschaft mit allen Orten, welche alle genug von der Stärke und dem Bande der Gesellschaft zeugen, und tausend andere Denkmäler der Macht und des Ruhms zeigen genug, daß der Mensch Erbherr der Erde, dieselbe verändert, ihre ganze Oberfläche erneuert, und von jeher die Herrschaft mit der Natur getheilt hat.

Indessen herrscht er blos durch das Recht der Eroberung; er ist vielmehr im Genusse als im Besitze, er behält nichts wenn er seine Bemühung nicht stets erneuert; hören diese auf, so erkranket, so verändert, so verwandelt sich alles, alles kehrt wieder unter der Hand der Natur zurück, diese nimmt ihre Rechte wieder, löscht die Werke des Menschen aus, bedeckt seine stolzesten Monumente mit Staub und Moos, zerstört sie mit der Zeit, und läßt ihm blos das Mißvergnügen, daß er durch seine Schuld dasjenige veroren hat, was seine Vorfahren durch ihre Arbeiten gewonnen hatten.

Johann Wolfgang Goethe: Der Triumph der Empfindsamkeit (1777)

2. Akt

Die mobile „Reise-Natur“ des Prinzen Oronaro

Es läßt sich ein lebhafter Marsch hören, und es kommt ein Zug. Merkulo voraus, der Oberste, die Wache, sodann Trabanten, welche Kasten von verschiedener Größe tragen, vier Mohren, die eine Laube bringen, und Gefolge. Sie umgehen das Theater. Die Kasten werden auf beiden Seiten, die Laube in den Grund und ein großer Kasten auf die Laube gesetzt. Die stummen Personen gehn alle ab, der Marsch hört auf. Es bleiben Sora, Mana, Merkulo.

 

SORA. Wer sind denn die hübschen bewaffneten jungen Leute, und wer ist der Herr, der uns salutierte?

MERKULO. Das ist der Oberste über des Prinzen Kriegsvolk, und die andern sind junge Edelleute, militärische Edelknaben meines gnädigsten Herrn und lose Vögel.

MANA. Wir erstaunen, mein Herr! Sie führen Dekorationen mit sich! Wollen Sie etwa eine Komödie spielen? Vermutlich ist die Theatergarderobe in diesen Kasten?

MERKULO. Verzeihen Sie, meine Damen! – Eigentlich sollte ich den Finger auf den Mund legen und Sie mit guter Art bitten, diesen Saal, der von nun an ein Platz der Geheimnisse wird, zu verlassen; allein wie vermag ich das gegen Ihre Güte und gegen Ihre Reize! Nur vor unheiligen fremden Augen bewahren wir unsere heiligen Empfindungen, nicht vor so angenehmen Seelen, deren Teilnehmung wir wünschen.

SORA. Sagen Sie uns um ’s Himmels willen, was soll die Laube?

MERKULO. An diesem Zug, meine schönen Kinder, können Sie einen großen Teil des Charakters meines liebenswürdigen Prinzen erkennen. Er, der empfindsamste Mann von allen Männern, der für die Schönheiten der Natur ein gefühlvolles Herz trägt, der Rang und Hoheit nicht so sehr schätzt als den zärtlichen Umgang mit der Natur –

SORA. Ach, das ist ein Mann für uns! Wir gehn auch gar zu gern im Mondschein spazieren und hören die Nachtigallen lieber als alles.

MERKULO. Da ist eins zu bedauern, meine vortrefflichen Damen! Mein Prinz ist von so zärtlichen, äußerst empfindsamen Nerven, daß er sich gar sehr vor der Luft und vor schnellen Abwechselungen der Tageszeiten hüten muß. Freilich, unter freiem Himmel kann man’s nicht immer so temperiert haben, wie man wünscht. Die Feuchtigkeit des Morgen- und Abendtaues halten die Leibärzte für höchst schädlich, den Duft des Mooses und der Quellen bei heißen Sommertagen für nicht minder gefährlich! Die Ausdünstungen der Täler, wie leicht geben die einen Schnupfen! Und in den schönsten wärmsten Mondnächten sind die Mücken just am unerträglichsten. Hat man sich auf dem Rasen seinen Gedanken überlassen, gleich sind die Kleider voll Ameisen, und die zärtlichste Empfindung in einer Laube wird oft durch eine herabfahrende Spinne gestört. Der Prinz hat durch seine Akademien Preise ausgesetzt, um zu erfahren, ob diesen Beschwerden, zum Besten der zärtlichen Welt, nicht abgeholfen werden könne? Es sind auch verschiedene Abhandlungen gekrönt worden; die Sache aber ist bis jetzo noch um kein Haar weiter.

SORA. Oh, wenn je ein Mittel gegen die Mücken und Spinnen erfunden werden sollte, machen Sie es doch ja gemeinnützig! Denn wenn man oft in himmlischen Entzückungen aufgefahren ist, erinnert einen das leidige Geziefer, mit seinen Stacheln und krabbligen Füßen, gleich wieder an die Sterblichkeit.

MERKULO. Inzwischen, meine schönen Damen, hat der Prinz, der seinen Genuß weder verschoben noch unterbrochen haben will, den Entschluß gefaßt, durch tüchtige Künstler sich eine Welt in der Stube zu verschaffen. Sein Schloß ist daher auf die angenehmste Weise ausgeziert, seine Zimmer gleichen Lauben, seine Säle Wäldern, seine Kabinette Grotten, so schön und schöner als in der Natur; und dabei alle Bequemlichkeiten, die Stahlfedern und Ressorts nur geben können.

SORA. Das muß scharmant sein!

MERKULO. Und weil der Prinz so sehr dran gewöhnt ist, wie er denn in jedem Lustschloß seine Natur hat, so haben wir auch eine Reisenatur, die wir auf unsern Zügen überall mit herumführen. Unser Hof-Etat ist mit einem sehr geschickten Manne vermehrt worden, dem wir den Titel als Naturmeister, Directeur de la nature, gegeben haben. Er hat eine große Anzahl von Künstlern unter sich. Ein würdiger Schüler von ihm ist dieser Mann hier, der unsere Natur auf der Reise besorgt und den ich die Ehre habe, Ihnen in dieser Qualität zu präsentieren. Was uns allein noch abgeht, das sind die kühlen Lüftchen. Die Versuche davon sind immer noch unvollkommen; wir hoffen aber, aus Frankreich auch diesem Mangel nächstens abgeholfen zu sehen.

SORA. Um Vergebung, was ist in den Kasten da? Darf man’s wissen?

MERKULO. Geheimnisse, meine schönen Fräulein, Geheimnisse! Aber Sie haben das Geheimnis gefunden, die Geheimnisse meines Herzens aufzulösen, so daß Ihnen eben weiter nichts verborgen bleibt. Hier führen wir die vorzüglichsten Glückseligkeiten empfindsamer Seelen bei uns. In diesem Kasten sind sprudelnde Quellen.

MANA. Oh!

MERKULO. Hier in diesem ist der Gesang, der lieblichste Gesang der Vögel verborgen.

MANA. Warum nicht gar?

MERKULO. Und hier in diesem größern ist Mondschein eingepackt.

SORA. Es ist nicht möglich! Lassen Sie’s uns doch sehn.

MERKULO. Es steht nicht in meiner Gewalt. Der Prinz allein weiß diese Herrlichkeiten in Bewegung und Leben zu setzen. Er ganz allein darf sie fühlen; ich könnte Ihnen nur den groben Stoff sichtbar machen.

MANA. O wir müssen den Prinzen bitten, daß er uns die Maschinen einmal spielen läßt.

MERKULO. Um ’s Himmels willen, lassen Sie sich nichts merken! Und besonders unter dem Titel von Spielen würde der Prinz seine Liebhabereien nicht erkennen. Jeder Mensch, meine schönen Fräulein, treibt seine Liebhabereien sehr ernsthaft, meistens ernsthafter als seine Geschäfte. Indessen halte ich für Schuldigkeit, Ihr Vergnügen, soviel an mir ist, zu befördern, und wollte Ihnen gern unsre Raritäten, wenngleich nur leblos, vorzeigen, wäre nur die Dekoration des Saales einigermaßen mit dieser eingeschloßnen Natur übereinstimmend.

MANA. So vollkommen muß man die Illusion nicht verlangen.

SORA. Dem ist leicht abzuhelfen. Wir haben ja die gewirkten Tapeten, die nichts als Wälder und Gegenden vorstellen.

MERKULO. Das wird allerliebst sein.

SORA. He!

 

Ein Bedienter kommt.

 

Sagt dem Hoftapezier, er soll die gewirkte Waldtapete gleich herunterlassen!

MERKULO. An mir soll’s auch nicht fehlen.

 

Musik.

Er gibt ein Zeichen, und in dem Augenblicke, als sich die Szene in Wald verwandelt, verwandeln sich die Kasten in Rasenbänke, Felsen, Gebüsche und so weiter; der Kasten über der Laube in Wolken. Der Dekorateur wird sorgen, daß das Ganze übereinstimmend und reizend sei und mit der verschwindenden Dekoration einen recht fühlbaren Kontrast mache.

 

MERKULO. Bravo! Bravo!

SORA. O wie schön!

 

Sie besehen alles auf das emsigste, solange die Musik fortdauert.

 

MANA. Die Dekoration ist allerliebst.

MERKULO. Um Vergebung, nicht Dekoration, sondern künstliche Natur nennen wir das; denn das Wort Natur, merken Sie wohl, muß überall dabeisein.

SORA. Scharmant! Allerliebst!

MERKULO. Da muß ich Sie noch ein Kunstwort lehren, mit dem weit zu reichen ist. »Scharmant! Allerliebst!«, das könnten Sie allenfalls auch von einer Florschürze, von einem Häubchen sagen. Nein, wenn Sie etwas erblicken, es sei, was es wolle, sehn Sie es steif an und rufen: »Ach, was das für einen Effekt auf mich macht!« – Es weiß zwar kein Mensch, was Sie eigentlich sagen wollen; denn Sonne, Mond, Fels und Wasser, Gestalten und Gesichter, Himmel und Erde und ein Stück Glanzleinewand, jedes macht seinen eignen Effekt; was für einen, das ist ein bißchen schwerer auszudrücken. Halten Sie sich aber nur ans Allgemeine: »Ach! was das für einen besondernEffekt auf mich macht!« – Jeder, der dabeisteht, sieht auch hin und stimmt in den besondern Effekt mit ein; und dann ist’s ausgemacht – daß die Sache einen besondern Effekt tut.

MANA. Mit allem dem scheint mir Ihr Prinz Liebhaber vom Theater.

MERKULO. Sehr! sehr! Das Theater und unsere Natur sind freilich nahe miteinander verwandt. Dabei ist er ein trefflicher Schauspieler. Wenn Sie ihn bereden könnten, etwas vor Ihnen aufzuführen!

 

Wie sich später (im 5. Akt) zeigt, hat der Prinz neben den Kisten mit der magischen Natur-Dekoration eine ausgestopfte Puppe dabei, in die er verliebt ist und außerdem drei Zauberbücher: Johann Martin Millers „Siegwart, eine Klostergeschichte“, Rousseaus „Julie oder Die neue Heloise“ und – „Die Leiden des jungen Werther“!